Kunst von Frauen

Zulassungsarbeit für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen im Fach Kunsterziehung

Mein Interesse für die Kunst von Frauen wurde geweckt, als mir zufällig das Künstlerin­nenlexikon von Jörg Krichbaum und Rein A. Zondergeld in die Hände fiel. Über 800 Künstlerinnen aus den verschiedensten Epochen werden hier mit einem kurzen Text auf­geführt. Die meisten Namen waren mir völlig fremd, ich hatte noch nie von einer Sofonisba Anguissola gehört, Judith Leyster, Maria van Oosterwyck, Lilly Martin Spencer, geschweige denn Gemälde dieser Künstlerinnen gesehen. Mir wurde auf einmal bewußt, daß es neben den mir geläufigen Künstlern noch viel mehr gab. Was mir auch noch be­wußt wurde ist, daß es mir bis dahin gar nicht wirklich aufgefallen war, daß in Kunstbü­chern, Lexika oder sogar Kunstgeschichtsvorlesungen höchst selten einmal der Name ei­ner Frau fiel. Dies fand ich ziemlich erschreckend, schließlich bin ich selbst künstle­risch tätig. Trotzdem schien es mir selbstverständlich zu sein, daß die Kunst („die richtige, große Kunst“) eine männliche Domäne ist.

Angesichts dieser Fülle von Künstlerinnen, die ich auf einmal entdeckt hatte, wurde mir klar, daß Frauen in der Kunst keine unbedeutenden Randerscheinungen sein konnten. In allen Epochen waren Frauen künstlerisch aktiv und trugen zu den Stilrichtungen einen nicht geringen Teil bei.

Ich sah im Bildungsplan für die Grundschule nach, inwiefern Künstlerinnen dort erwähnt werden.

„Neben dem eigenen bildnerischen Schaffen ist Kunstbetrachtung in der Form der Wahr­nehmungsübung unverzichtbarer Bestandteil des Faches. Sie kann einerseits vorbereitend oder auch nachbereitend auf die jeweilige Gestaltungsaufgabe bezogen werden. Anderer­seits können die Kinder in davon unabhängigen Wahrnehmungsübungen durch entdec­kende und reflektierende Auseinandersetzung mit künstlerischen Werken ihre Wahrneh­mungsfähigkeiten weiterentwickeln.“1

Zur Durchführung der Kunstbetrachtung werden für die verschiedenen bildnerischen Phänomene Kunstwerke vorgeschlagen. Sie stammen von Paul Klee, Franz Marc, Robert Delaunay, Kurt Schwitters, Jackson Pollock, Leonardo da Vinci, Victor Vasarely, August Macke und natürlich Pablo Picasso um nur einige der Künstler zu nennen, deren Namen zu kennen zur Allgemeinbildung gehört (s. Anhang). Unter den 40 – unverbindli­chen – Vor­schlägen fand ich nur drei Werke, die von Frauen geschaffen wurden: „Geschwister“ von der Graphikerin Käthe Kollwitz, „Blick aufs Ge­birge“ von Gabriele Münter, einer expressionistischen Malerin, und ein Werk der Pop Art Künstlerin Nicky de Saint Phalle.

So muß der Eindruck entstehen, daß Kunst eine Domäne der Männer war und ist. Ich stelle mir vor, daß es für Mädchen wichtig ist, in der Schule von Frauen zu hören, die Großes geleistet haben, sowohl im künstlerischen Bereich, wie auch auf anderen Gebie­ten.

Auch der Hauptschullehrplan sieht lediglich drei Kunstwerke von Künstlerinnen im Gegensatz zu 59 Werken von Künstlern vor. Bei dieser Arbeit konzentriere ich mich jedoch haupt­sächlich auf den Grundschullehrplan, da mein Stufenschwerpunkt die Grundschulpäd­agogik ist.

1Bildungsplan für die Grundschule, Baden Württemberg, S. 26

Where are the artists?

Have you ever heard of Sofonisba Anguissola?